Textilien

Mittels Nanotechnologie sollen Textilien neue oder verbesserte Eigenschaften erhalten. Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Herstellungsmethoden, wobei es für VerbraucherInnen zumeist nicht erkennbar ist, um welche Art von "Nano-Textil" es sich bei einem derart beworbenen Produkt handelt. Grundsätzlich kann das Schlagwort "nano" bei Textilien z.B. bedeuten:

  • Nanopartikel werden in Kunststoff eingearbeitet und daraus Fasern gesponnen;
  • Das Gewebe wird mit Nanopartikeln "veredelt", d.h. die Nanopartikel haften an der Faseroberfläche oder sind in eine Faserbeschichtung eingearbeitet;
  • Herstellung von Nanometer-dünnen Fasern (mit oder ohne eingebetteten Nanopartikeln), die zu einem Vlies verarbeitet werden;
  • Die Gewebefasern sind von einer Nanometer-dünnen Beschichtung umgeben;
  • Die Fasern oder Beschichtungen weisen Poren im Nanometerbereich auf.

Bei "veredelten" oder imprägnierten Textilien fehlt zumeist die Angabe der Waschbeständigkeit und Lebensdauer. Viele Textilien, deren Fasern lediglich an der Oberfläche behandelt sind, verlieren nach wenigen Wäschen bereits ihre Wirkung (z.B. Socken mit Nanosilber).

 

Am Markt erhältlich sind insbesondere Produkte mit folgenden Eigenschaften:

  • Schmutzabweisend: Berufsbekleidung (z.B. Schürzen für Köche/Köchinnen), Krawatten, Hemden, Outdoor-Bekleidung. Häufig wird Siliziumdioxid dafür eingesetzt.
  • Wasserabweisend (oft in Kombination mit Schmutz abweisend): Outdoor-Bekleidung (Jacken, Hosen), Zelte, Schlafsäcke, Markisen, Regenschirme, etc. Hier wird ebenfalls häufig Siliziumdioxid verwendet.
  • Sonnenschutz: T-Shirts, Outdoor-Bekleidung. Titandioxid und Zinkoxid wirken in diesen Textilien als UV-Filter.
  • Antibakterielle Textilien: Socken, Unterwäsche. Silber behindert das Wachstum von Bakterien, die für den Schweißgeruch verantwortlich sind. Auch Heimtextilien, wie Pölster, Decken oder Matratzenüberzüge mit Nanosilber werden aus hygienischen Gründen angeboten, ebenso wie spezielle Bekleidung für Personen mit Hautkrankheiten. Produkte mit Nanosilber sind am internationalen Markt noch erhältlich. In der EU ist Nanosilber aber als Biozid in Textilien nicht zugelassen.
  • In Entwicklung sind sogenannte "Smart Clothes", das sind Textilien, die selbst elektrische oder elektronische Funktionen übernehmen. Diese könnten in Zukunft etwa zur Überwachung von Körperfunktionen (z.B. Messung des Pulsschlags) eingesetzt werden. Die Sensoren wären dabei so winzig, dass sie nicht mehr wahrgenommen werden und die Stromleitung könnte über neuartige Fasern, z.B. aus Kohlenstoff-Nanoröhrchen erfolgen.

 

Sind "Nano-Textilien" für die Gesundheit oder die Umwelt gefährlich?

Nach derzeitigem Kenntnisstand sind keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen für VerbraucherInnen durch "Nano-Textilien" zu erwarten. Allerdings fehlen Langzeitstudien, etwa zu den Auswirkungen von Nanosilber auf die nützlichen Bakterien der menschlichen Hautflora. Nanosilber und Titandioxid können in der Umwelt Schäden verursachen, da diese Substanzen giftig für Kleinstlebewesen (Mikroorganismen) sind. Vor allem durch das Waschen von Textilien können diese Stoffe in die Umwelt gelangen. Im Sinne des Umweltschutzes sollten diese also nach Möglichkeit vermieden werden.

 

Nano-Textilien. NanoTrust Dossier Nr. 15, Jänner 2010.

 

Neue Studie zu „Nano-Textilien“ identifiziert Lücken in der Risikoabschätzung und Regulierung

Eine umfassende Überblicksstudie zu „Nano-Textilien“ im Auftrag der Europäischen Kommission und koordiniert durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (ECHA) wurde im Oktober 2025 veröffentlicht. Diese zeigt, dass sich der Markt und die Anwendungsbereiche von Nanomaterialien in Textilien in den letzten fünfzehn Jahren wenig verändert haben und nach wie vor Probleme bei der Risikoabschätzung und Regulierung bestehen (siehe Text weiter oben).

Insbesondere Sport- und Schutzbekleidung sowie sogenannte „Smart Textiles“ mit eingearbeiteten elektronischen Komponenten wurden in einer Marktanalyse identifiziert, bei denen Nanomaterialien aufgrund ihrer antimikrobiellen Eigenschaften (Silber, Zinkoxid), zum UV-Schutz (Titandioxid), für Schmutz und Wasser abweisende Beschichtungen (Fluorverbindungen, Siliziumdioxid) und in Elektronikkomponenten wie Sensoren, Energiespeicher und Heizelementen (Kohlenstoffnanoröhrchen, Graphen, leitfähige Polymere) eingesetzt werden. Markführer für „Nano-Textilien“ sind gemäß der Studie die U.S.A., gefolgt von China, Taiwan und einigen Mitgliedsstaaten der EU.

Eine Freisetzung von Nanomaterialien aus Textilien ist in verschiedenen Phasen des Lebenszyklus möglich. Einerseits etwa durch den Kontakt mit Hautschweiß beim Tragen, andererseits aber auch durch das Waschen und am Ende der Lebensdauer durch Verbrennen oder in Mülldeponien. Arbeitnehmer*innen in Textilbetrieben können zudem bei Produktionsprozessen nanopartikelhaltigem Staub ausgesetzt sein. Mensch und Umwelt können also auf vielfältige Weise mit Nanomaterialien aus Textilien in Berührung kommen. Während das Risiko für Konsument*innen durch Hautkontakt als niedrig eingestuft wird, betonen die Autor*innen der Studie jedoch die Notwendigkeit für weitere Studien zur Toxikologie und Exposition, insbesondere von Langzeitstudien. Auch umfassende Lebenszyklusanalysen von „Nano-Textilien“ liegen bislang nur wenige vor und generell bestehen große Wissens- und Datenlücken zu Expositions- und Entsorgungsszenarien.

Die Studie schlägt insbesondere folgende Maßnahmen für „Nano-Textilien“ vor:

  • Einführung eines EU-weiten Registers von Nanomaterialien in Textilien;
  • Eine verpflichtende Kennzeichnung von Nanomaterialien;
  • Einführung von spezifischen und standardisierten Methoden zur Risikoabschätzung;
  • Mehr Forschung im Bereich nachhaltiger Alternativen wie biologisch abbaubare und unschädliche (Nano)materialien;
  • Eine verstärkte Zusammenarbeit von Regulierungsbehörden, Industrie und Wissenschaft zur Entwicklung von sicheren und nachhaltigen Produkten.